«Ich kann die Leiter im Fall auch mittragen»

Sara Bachmann, wie sind Sie zur Feuerwehr gekommen?
Mein Vater war früher bei der Feuerwehr, insofern gab es schon einen ersten Kontakt. Als ich nach Näfels gezogen bin, erhielt ich eine Einladung zum Infoanlass im November 2023. Ich bin hingegangen und habe mir dann die Frage gestellt: Warum eigentlich nicht, was spricht dagegen? Nichts. Also habe ich mich angemeldet.
Seit Januar 2024 sind Sie dabei. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt, und was fasziniert Sie an der Feuerwehr?
Im Grundkurs in Glarus haben wir sehr praktisch gearbeitet: Schläuche, Wassertransport, kleine Einsätze, verschiedene Posten. Viel Theorie gab es nicht, man lernt vor allem durchs Üben. Dabei lernt man auch Leute aus dem ganzen Kanton kennen, was ich sehr schätze. Mittlerweile bin ich Atemschutzgeräteträgerin. Nächstes Jahr steht der Strassenrettungskurs an, im Oktober 2026 noch ein technischer Kurs zum Thema Trennen und Schneiden. Mich fasziniert, dass man so viele unterschiedliche Dinge lernt, die man sonst nicht lernen würde – ich lerne gerne Neues. Und die Kameradschaft ist ein wichtiger Teil davon.
Es ist eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, und trotzdem funktioniert es miteinander. Und es braucht eben wirklich Manpower: Man kann auch einfach seine Steuern bezahlen, aber damit löscht noch niemand ein Feuer.
Sie sprechen von «Manpower» – braucht es auch «Womenpower»? Sie sind als Frau in einer mehrheitlich männlichen Kompanie. Wie erleben Sie das?
Es sind alle offen, ich habe nie das Gefühl, dass ich irgendwie störe. Im Gegenteil: Die Leute sind sehr hilfsbereit und geben ihr Wissen gerne weiter. Diejenigen, die schon länger dabei sind, haben viel Geduld und erklären – mir als Frau – die Dinge Schritt für Schritt. Manchmal sind sie fast zu hilfsbereit und nehmen einem Arbeiten ab, die ich eigentlich selbst erledigen könnte. Beim Tragen einer Leiter denke ich dann schon manchmal: Die könnte ich eigentlich auch mittragen. (lacht) Aber das sind Kleinigkeiten, die sich mit der Zeit einspielen.
Gibt es Dinge, die für Frauen in der Feuerwehr anders sind als für Männer?
Für gewisse Arbeiten braucht es schon viel Kraft, aber auch nicht alle Männer haben automatisch mehr Kraft. Wenn etwas wirklich schwer ist, ist man ohnehin froh um Unterstützung – egal ob Mann oder Frau. Und die Dynamik in der Gruppe verändert sich vielleicht ein wenig, wenn Frauen dabei sind. Man spricht teilweise etwas anders miteinander, wenn Frauen und Männer gemeinsam unterwegs sind. Ich empfinde das aber als Bereicherung. Am Ende geht es darum, dass alle gut zusammenarbeiten und im Ernstfall füreinander da sind. Und dazu gehören für mich selbstverständlich auch Frauen.
Ihren ersten grossen Einsatz hatten Sie in Mühlehorn. Wie war das?
Das war am 1. August. Ich wurde um sieben Uhr morgens aufgeboten. Den Atemschutzkurs hatte ich damals noch nicht, deshalb habe ich auf dem Schadensplatz von der Seite gekühlt. Danach war ich Romano Schleuchers rechte Hand in der Führungsunterstützung und habe den ganzen Tag Protokoll geführt. Über Funk kamen laufend Informationen, und ich musste möglichst alles Relevante festhalten, damit sich der Einsatz später rekonstruieren liess. Die eigentliche Chaosphase am Anfang habe ich also nicht miterlebt.
Was war für Sie bisher die grösste Herausforderung?
Die Strukturen zu verstehen. Ich war nie im Militär und musste deshalb zuerst herausfinden: Wer macht was, was ist meine Aufgabe, und wie viel darf ich und soll ich als Soldatin mitdenken? Ich denke gerne vernetzt, deshalb fällt mir das reine Ausführen manchmal schwer.
Was hat Ihnen die Feuerwehr persönlich gegeben?
Ich finde es schön, dass man im Einsatz mit diesen Leuten funktioniert, auch wenn man sonst vielleicht wenig miteinander zu tun hat. Das habe ich vorher so nicht erlebt. Und es ist schön, Teil von etwas zu sein, einen Unterschied zu machen und Einfluss zu haben. Das gibt der Sache für mich eine grosse Sinnhaftigkeit.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Feuerwehr Glarus Nord?
Dass sie wieder etwas präsenter im Dorfleben wäre und die Leute sich wieder mehr bewusst wären, dass es die Feuerwehr gibt – und die Feuerwehr ohne Menschen nicht geht.
Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, der Feuerwehr beizutreten, aber noch unschlüssig ist?
Kommen Sie unbedingt vorbei! (lacht) Die Anzahl der Übungen ist überschaubar, man lernt neue Tätigkeiten und neue Leute kennen und ist ein wertvoller Teil der Gemeinschaft. Man sollte sich nicht davon abhalten lassen, wenn man nicht immer verfügbar ist oder – wie ich – nie im
Militär war. Wichtig ist, dass man Interesse und Motivation mitbringt und lernen will. Am besten einfach einmal reinschnuppern und mit uns austauschen.

