Aus acht wurde eins: die Geschichte der Feuerwehr Glarus Nord
Vor der Gemeindefusion 2011 hatte fast jedes Dorf seine eigene Feuerwehr. Heute stehen 180 Frauen und Männer in drei Kompanien für ganz Glarus Nord im Einsatz – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Ein Blick auf die Entstehung, die Struktur und die Zahlen hinter der Organisation, die im Ernstfall innert Minuten vor Ort ist.
Der Pager schlägt an, mitten im Feierabend. In Mollis lässt jemand die Gabel liegen, in Niederurnen steigt eine Frau aus dem Auto, das sie gerade parkiert hat, in Obstalden greift ein Mann nach der Jacke am Haken. Wenige Minuten später rollen die Fahrzeuge aus den Depots – Menschen, die bis eben noch am Familientisch, im Büro oder auf dem Bauernhof waren, jetzt im Einsatz für ihre Nachbarschaft. So sieht der Alltag der Feuerwehr Glarus Nord aus: drei Kompanien, vier Standorte, ein gemeinsamer Auftrag. Die Organisation ist eine Milizorganisation mit Wurzeln in acht ehemaligen Dorffeuerwehren. Wie daraus die heutige Struktur entstand und wie sie funktioniert.

Der Ursprung: Von der Dorf- zur Gemeindefeuerwehr
Bis Ende 2010 bestand der Gemeindenorden des Kantons Glarus aus acht eigenständigen Gemeinden: Bilten, Filzbach, Mollis, Mühlehorn, Näfels, Niederurnen, Oberurnen und Obstalden. Jede davon hatte ihre eigene Dorffeuerwehr. Mit der Fusion zur neuen Gemeinde Glarus Nord am 1. Januar 2011 stellte sich die Frage, wie diese Strukturen zusammengeführt werden sollten.
Die Antwort lieferte bereits im Vorfeld das Projekt «Feuerwehr Futura». Es fasste die einzelnen Dorffeuerwehren zu vier Kompanien zusammen: Eine Sicherheitskommission, drei KompanienBilten, Nieder-/Oberurnen, Näfels/Mollis und Kerenzen. Als der Steuerungsausschuss von Glarus Nord im Januar 2009 den Schlussbericht der Arbeitsgruppe «Feuerwehren und Sicherheit» entgegennahm, war die organisatorische Vorarbeit also bereits geleistet – die Arbeitsgruppe musste im Wesentlichen nur noch ein gemeinsames Feuerwehrreglement für die neue Gemeinde ausarbeiten.
Die vier Kompanien sollten ihre Eigenständigkeit so weit wie möglich behalten, aber einem gemeinsamen Oberkommando unter-
stellt werden. Damals zählte die neue Organisation rund 220 Angehörige. Seit dem 1. Januar 2022 ist die Kompanie Bilten in die Kompanie Nieder-/Oberurnen integriert. Aus vier Kompanien wurden damit drei.

Zuerst die Menschen, dann alles andere
Die Feuerwehr Glarus Nord ist an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, im Einsatz – bei Bränden, Elementarereignissen, Unfällen und technischer Hilfeleistung, aber auch bei weiteren Dienstleistungen für Bund und Kanton. Dabei gilt eine klare Prioritätenordnung: zuerst Menschen, dann Tiere, dann Umwelt, dann Sachwerte. Die Feuerwehr ist das Einsatzmittel der Gemeinde für die ersten Minuten bis Stunden. Innerhalb von drei bis fünf Minuten ab Alarmierung ist sie einsatzbereit. Die Zielsetzungen und die Grundlagen des Feuerwehrwesens sind in der Feuerwehrkonzeption 2030 der Feuerwehr Koordination Schweiz (FKS) und den Weisungen der glarnerSach (Feuerwehrinspektorat) definiert.


Pflicht oder Wahl?
Im ganzen Kanton Glarus besteht für alle Einwohnerinnen und Einwohner zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr eine gesetzliche Feuerwehrpflicht, geregelt im kantonalen Brandschutzgesetz. Erfüllen lässt sie sich auf zwei Arten – durch aktiven Dienst in der Feuerwehr am Wohnort oder durch Bezahlung der Feuerwehr-Ersatzabgabe. Wer sich aktiv engagiert, ist von dieser Abgabe befreit. Wer sich für den aktiven Dienst entscheidet, erhält im Gegenzug eine fundierte Grundausbildung sowie die Möglichkeit, sich in Spezialgebieten wie Atemschutz, Tanklöschfahrzeug- und Motorspritzenmaschinist oder in der Strassenrettung weiterzubilden. Ebenfalls gibt es Möglichkeiten im Thema Führung als Gruppenführer und Offizier eine Ausbildung zu erlangen – Kompetenzen, die sich oft auch im Berufs- oder Privatleben nutzen lassen.
Mehr als eine Pflicht
Die Feuerwehr Glarus Nord ist eine Milizorganisation – ihre Mitglieder üben den Dienst neben Beruf und Familie aus. Für zahlreiche Angehörige ist die Feuerwehr eine Herzensangelegenheit, die über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg bleibt – man wächst mit den Kameradinnen und Kameraden zusammen, übernimmt Verantwortung füreinander und für das eigene Dorf. Wer diesen Zusammenhalt einmal erlebt hat, bleibt oft lange dabei.

